
Es ist oft schwierig, Verhaltensänderungen, die den Verlauf einer chronischen Erkrankung unterstützen bzw. abmildern, dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Das heißt, langfristige Verhaltensänderungen sind kaum durch individuelle Interventionen möglich. Daher wurden von Gesundheitswissenschaftlern und Krankenkassen zusätzliche „Setting-Ansätze“ für Schule und Arbeitsplatz entwickelt. Auch wird zunehmend versucht, auf Gemeindeebene „Präventionsketten" zu etablieren. Dies jedoch, so Frau Prof. Holmberg vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinischen Hochschule Brandenburg, greift zu kurz, da diese zu sehr nur im Denken von Gesundheit und Krankheit verankert sind. Frau Prof. Holmberg und ihr Team haben daher mit Unterstützung der Krebsallianz das Konzept der Sozialen Gesundheit ausgearbeitet und weiterentwickelt.
Ziel der von der Krebsallianz geförderten Arbeiten ist es, das Konzept der Sozialen Gesundheit in das Zentrum der Betrachtungen zu rücken und weiter auszubauen, um damit auch Gemeindestrukturen und Firmen in den Blick zu nehmen. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, Strukturen zu schaffen bzw. Beratungen anzubieten, um solche Strukturen zu schaffen, die „Resonanzräume“ ermöglichen. Damit sollen gesellschaftliche Rahmenbedingungen eingerichtet werden, die den Menschen mit chronischen Erkrankungen gesundheitsförderliches Handeln im Alltag erlauben.
Im Jahr 2022 wurden am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie Workshops durchgeführt mit Institutsmitarbeitern aus Wissenschaft und Sozialer Arbeit sowie mit Kollegen anderer wissenschaftlicher Einrichtungen aus dem Bereich der Rehabilitation. Zu den Workshops gehörte als erstes ein Brainstorming darüber, wie ein Zentrum Soziale Gesundheit aussehen müsste. Verbunden damit wurden weiterhin Ideen für Eckpunkte, Ziele und Aufgaben eines solchen Zentrums gesammelt.
Parallel dazu führte Frau Prof. Holmberg sehr viele Gesprächen in Politik und Wissenschaft, um die Idee der Sozialen Gesundheit ‚in die Welt zu bringen’ und bekannt zu machen. Mithilfe der finanziellen Unterstützung der Krebsallianz wurde der Schwerpunkt Soziale Gesundheit am Institut weiter ausgebaut. Wichtiger noch, das Thema konnte national und international an Sichtbarkeit gewinnen. Beispielsweise hat Prof. Holmberg das Konzept am National Cancer Institute in Bethesda, USA, vorgestellt. Hier werden weltweit die Weichen für die Behandlung von Krebserkrankten gestellt. Parallel dazu wurden Gespräche mit verschiedenen Gemeinden im Land Brandenburg geführt und als Praxispartner angesprochen. Auch mit der Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung in Berlin und Brandenburg Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. fanden erste Gespräche statt.
Es sind weitere Workshops geplant zur Ausdifferenzierung und zur nationalen Etablierung des Schwerpunkts Soziale Gesundheit im Gesundheitswesen (zwei der Workshops im Jahr 2023 und drei weitere im Jahr 2024). Frau Prof. Holmberg setzt ihre zahlreichen öffentlichen und privaten Vorträge, Gespräche und Präsentationen fort, um dem Konzept weiter Bedeutung zu verleihen. Auch soll in 2024 eine Sozialberatung für Krebspatienten (vorerst am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie) mit besonderem Fokus auf die soziale Gesundheit und auf Rehabilitationsmöglichkeiten sowohl ambulant in den Gemeinden als auch stationär angeboten werden.